Blog de GerhardSchmitz Der Bischof in der Klemme

GerhardSchmitz, Posté le mercredi 03 décembre 2008 09:18

Bischof Aloys Jousten schrieb mir folgenden Brief, den ich hier mit seiner Erlaubnis wiedergebe:

" Lüttich, den 1. Dezember 2008

Sehr geehrter Herr Schmitz,

Aus meiner St.Vither Zeit sind Sie mir bekannt. Ihre Leserbriefe haben wohl bei mehreren Lesern Fragen aufgeworfen oder hoch kommen lassen, denn Sie sind nicht der einzige, der Gewissheit über die Glaubwürdigkeit und Echtheit der Erscheinungen der Mutter Gottes in Banneux und anderswo haben will. Sie haben das Recht, solche Fragen zu stellen, als Ungläubiger (wenn das auf Sie zutrifft) und auch als Christ. Nachdem Sie mich persönlich angeschrieben haben, will ich auf Ihre Fragen reagieren.
Gerade wegen solcher Fragen hat sich der damalige Bischof von Lüttich viel Zeit gelassen, bis er 1942 und 1949 positiv Stellung bezog. Erst 1949 hat Bischof Kerkhofs die Echtheit der Erscheinungen endgültig anerkannt.
Was ist mit dieser Anerkennung ausgesagt ? Wie verbindlich ist sie für die Gläubigen ?

1. Die Gläubigen sind nicht verpflichtet, dem Bischof in seiner Aussage zu folgen, ihm zu gehorchen und seine Anerkennung der Ereignisse zu ihrer persönlichen zu machen. Eine Erscheinung hat nicht dieselbe Bedeutung im christlichen Glauben wie der Glaube an Gott. Es ist nicht unwichtig, darauf hinzuweisen, dass der Glaube an Gott mehr ist als glauben, dass es einen Gott gibt, dass er existiert. An Gott glauben bedeutet, dass ich mich Gott ganz überantworte, ihm volles Vertrauen schenke und mich ihm ganz und gar anvertraue. Der Sinn meines Lebens hängt nicht von den Erscheinungen in Banneux ab, aber wohl von meinem Glauben an Gott.

2. Behaupten, dass die Erscheinungen echt, also wirklich stattgefunden haben, erklärt an sich noch nicht, wie die Erscheinungen verlaufen sind. Es wird lediglich gesagt, dass sich zwischen Maria und Mariette etwas ereignet hat, was nicht in der Fantasie des Kindes entstanden ist. Das gilt sowohl für die Botschaft als auch für die Geschehnisse. Es war also keine Sinnestäuschung und etwas anderes als ein Traum. Das ist auch meine feste Überzeugung.

3. Was erlaubt den Bischöfen eine solche Aussage ?
Mit Bischof Kerkhofs halte ich die Botschaft und die Ereignisse für übernatürlich. Sie übersteigen die Fähigkeiten der Seherin ; sie kann dieselben nicht erfunden haben. Die Ergebnisse der Untersuchungskommissionen lassen diese Schlussfolgerung zu. Ich bin erstaunt über die Strenge und Wissenschaftlichkeit der Kommissionen. Von Leichtgläubigkeit kann da nicht die Rede sein. Ich empfehle jedem Kritiker oder Skeptiker, die Berichte der Kommissionen zu lesen. Es ist auffallend, wie nüchtern die Seherin die Ereignisse schildert.
Die Untersuchungen haben immer wieder hervorgehoben und bestätigt, dass die Ereignisse und die Botschaft in keiner Weise der Vorstellungswelt und der Ausdrucksweise der Familie Beco entsprechen und somit keine Schöpfung des Familienmilius sein können. Das Mädchen ist also glaubwürdig. Es gibt besonders auffallende und bemerkenswerte Details und Gegebenheiten. So z.B. die Aufforderung, die Hände ins Wasser zu tauchen. Wie könnte Mariette eine solche Geste erfunden haben ? Wie könnte Mariette von selbst auf die Bezeichnung «Jungfrau der Armen» gekommen sein ? Oder wie kommt ein elfjähriges Mädchen auf den Satz « Diese Quelle ist für alle Nationen » ? Die Untersuchungen haben ebenfalls ergeben, dass Mariette gewisse Wörter aus den Botschaften der Mutter Gottes gar nicht verstand. So z.B. das Wort « lindern » in dem Satz « Ich komme, das Leid zu lindern ».
Es erstaunt daher nicht, dass Mariette Beco erklärt hat : « Ich bin nur der Briefträger ; ich habe euch die Botschaft der Gottesmutter anvertraut wie einen Brief. » Diese Bescheidenheit deute ich gerne als ein gutes Argument zugunsten der Glaubwürdigkeit. Bis heute hat Frau Beco diese gute Eigenschaft bewahrt.

Seit 75 Jahren pilgern Tausende Menschen nach Banneux. Ich kann jedem nur empfehlen, einfach hinzugehen, sich mit auf den Weg zur Quelle, zu Glaubensfeiern und zur Begegnung mit den Kranken nehmen zu lassen oder sich einer Pilgergruppe anzuschließen. « Nur mit dem Herzen sieht man gut. »
Die Aussage, die Erscheinungen seien echt, ist keine wissenschaftlich belegte Behauptung ; sie ist eine Glaubensaussage. Aber sie steht keineswegs im Widerspruch zur Vernunft. Die Ergebnisse der Untersuchungskommission stützen die Glaubensaussage ; sie beweisen sie nicht.Es ist daher wichtig, dass wir unterscheiden zwischen wirklich und wissenschaftlich. Nicht alles Wirkliche ist wissenschaftlich belegbar. Dem ist auch gut so ; denn was würde sonst aus der Echtheit der Liebe zwischen zwei Menschen ?
Ich kann Ihnen, lieber Herr Schmitz, noch eine Buchveröffentlichung über Banneux empfehlen : A.Reul, Pièces à conviction, Banneux depuis le début, 2008.

Mit lieben Grüßen
Ihr
+ Aloys Jousten
Bischof von Lüttich"


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